Warum Graf Anton?
Schüler der Klasse 7b der Graf-Anton-Schule Wadern forschen nach ihrem Namenspatron.
Nun wurde dem Kind also ein Name gegeben. Unsere ERS Wadern lässt sich seit einigen Wochen Graf-Anton-Schule Wadern rufen. Die Begeisterung hielt sich zunächst im Rahmen, denn dem Namen haftet der Staub der Geschichte deutlich an. Was haben sich die Verantwortlichen dabei gedacht?
Ein klarer Fall für die Schulreporter aus der Klasse 7b. Im Folgenden soll der geneigten Öffentlichkeit das Ergebnis der Recherchen präsentiert werden, insbesondere allen Mitschülern und ihren Eltern, die nach der Lektüre von Historie und Histörchen bestimmt genauso angetan sein werden von dem Patron, wie wir das inzwischen sind.
Wir schreiben das Jahr 1720, als der kleine Joseph Anton, noch weit weg von hier, auf Burg Katzenstein das Licht der Welt erblickt. Er ist das vierte Kind des Grafenpaares Kraft Anton von Öttingen-Baldern und Sötern und Gräfin Eleonore von Schönborn. Anton hatte ziemlich viele Geschwister, aber es gab in jener Zeit noch eine unvorstellbar hohe Säuglingssterblichkeit, sodass Joseph Anton nur mit 4 Brüdern und drei Schwestern aufwuchs. Adelige machten damals Karriere in der Kirche oder als weltliche Herrscher. Antons ältere Brüder machten Karriere in der Kirche, also verzichteten sie auf das Herrschen über den Besitz der Familie. So kam es, dass Anton schon mit 14 Jahren zum Herrn über Dagstuhl bestimmt wurde. Als intelligenter junger Mann studierte er aber erst Rechts- und Staatswissenschaften und machte sogar seinen Doktor.
So trocken wie das alles in manchen Geschichtsbüchern dargestellt wird, war diese Zeit aber gar nicht. So wurde zum Beispiel von einem anonymen Schreiber das Gerücht verbreitet, auf Burg Katzenstein seien 12 Kisten voll Gold und Juwelen versteckt. Vier Wochen lang hauten die Leute Stein für Stein vom Burgturm ab, um den sagenhaften Schatz zu finden. Als man nichts fand, veranstaltete ein Pater, so erzählt es eine Überlieferung, dann Exorzismusbeschwörungen. Bei dieser Sache soll der Burggeist Baldrian über den Pater hergefallen sein. Graf Anton schmunzelte über solche Geschichten.
Als Antons Vater 1751 stirbt, muss sich der Graf richtig um seine Herrschaftsgebiete kümmern. Leider hat der Vater ihm eine unvorstellbare Menge Schulden gleich mitvererbt. Auch die Untertanen im Hochwald waren ziemlich störrisch, sodass Anton jahrelang Prozesse führen musste. Der Junggeselle entschloss sich erst mit 41 Jahren zu heiraten. Seine fromme Frau tat sehr viel für die Kirche und die Armen unter den Untertanen. Sie stiftete eine Statue, die ein seltsames Ende fand. In einer geschichtlichen Aufzeichnung heißt es sinngemäß: Der sinnlose Sohn des Hans Peter Haupenthal hat dem Standbild des heiligen Nepomuk auf der Waderner Brücke den Kopf abgeschlagen, weil er mit der Statue geredet, aber keine Antwort von ihr bekommen hat.
1771 stirbt Graf Antons erste Frau. Er heiratet bald wieder, die 18-jährige Gräfin Maria Antonia. Zwei Söhne sterben im Säuglingsalter, eine Tochter bleibt am Leben. 1778 stirbt Graf Anton.
Bleibt noch die Frage, was der gute Graf eigentlich mit Schule zu tun hat. Weil er zwar ein vornehmer und sehr gebildeter Mann war, aber doch mitten unter seinen Untertanen wohnte, bekam er so einiges mit, was da schief lief. So brachten die Leute, die alle auch Landwirtschaft betrieben, z.B. ihr Vieh im Frühjahr nach der ersten Heuernte wieder auf die selben Wiesen. Die Tiere fraßen über den Sommer das Gras ab, so konnte im Herbst kein Heu mehr für den Winter geerntet werden. Wenn seine Leute wohlhabender werden sollten, brauchten sie dringend mehr Bildung. Das war Graf Anton klar. So ordnete er an, dass alle Kinder die Winterschule von Ende November bis Ostern besuchen müssen. Weil er aber feststellte, dass die Eltern den Sommer über den Stoff mit ihren Kindern nicht ordentlich übten und wiederholten, wurde auch einmal die Woche im Sommer Schulpflicht eingeführt. Graf Anton ließ die Lehrer, die er einstellte, ebenfalls prüfen. Jedem wurde auf den Zahn gefühlt, ob er auch ordentlich schreiben, lesen und rechnen konnte.
Ja, das waren noch Zeiten und unser Beitrag zum Namenspatron unserer Schule. Alle Informationen sind aus dem sehr ausführlichen Werk (331 Seiten) Dagstuhler Geschichtsbilder des Waderner Vereins für Heimatkunde ausgewählt.